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Die Entvaterung unserer Gesellschaft

Vater Tochter WebSpeziell in Deutschland erleben wir seit etwa hundert Jahren eine vaterlose Gesellschaft: Die Väter verschwanden und kamen im Ersten und Zweiten Weltkrieg zum großen Teil ums Leben. Sie hinterließen Familien mit Kindern, die ohne Vater aufwuchsen. Für ein Viertel der Kinder der Kriegs- und Nachkriegszeit in Deutschland bedeutete dies eine Kindheit ohne Vater, ungezählte andere hatten eine gestörte Beziehung zu einem kriegstraumatisierten Vater. Insgesamt wuchsen mehr als die Hälfte der Kinder in Deutschland von 1939 bis 1949 durch Verlust des Vaters oder langjährige Abwesenheit vaterlos auf. Das prägte nachhaltig die gesellschaftliche Entwicklung in Deutschland hin zu einer vaterlosen Gesellschaft.

In den letzten Jahrzehnten änderten sich die Gründe für Vaterlosigkeit. Fehlte der Vater einst, weil er früh verstarb, so vermissen ihn seine Kinder jetzt aufgrund von Scheidung oder Trennung.

Scheidung und Trennung nehmen rapide zu mit dem Ergebnis, dass die Kinder fast ausschließlich bei der Mutter bleiben. In Deutschland wachsen aktuell etwa 1,6 Millionen Kinder mit nur einem Elternteil auf. In 89 Prozent der Fälle ist dies die Mutter. 1,42 Millionen Kinder wachsen in Deutschland ohne Vater auf – und die Zahl ist steigend (Quelle: Statistisches Bundesamt 2014).

Hinzu kommt, dass Väter in Medien und Mainstream immer mehr entwertet und für überflüssig erklärt werden. Auch in der herkömmlichen Psychologie spielt der Vater keine große Rolle; die Bedeutung der Mutter für die gesunde Entwicklung des Kindes ist das Thema; der Vater scheint hier nicht erwähnenswert zu sein.

Welch ein Irrtum. Ich behaupte: Kinder brauchen für eine gesunde Entwicklung der Persönlichkeit den Vater genauso wie die Mutter. Das gilt für Mädchen genauso wie für Jungen – zur Entwicklung der eigenen geschlechtlichen Identität als auch ihrer Beziehungsfähigkeit.

 

Die Bedeutung der fehlenden Vaterbeziehung

Es ist somit hilfreich, sich als Frau die Beziehung zum eigenen Vater deutlich zu machen, auch wenn das in der Psychologie und Therapie eher vernachlässigt wurde, da man sich dort mehr auf die Bedeutung der Mutter für das Kind konzentriert hat. Welch ein Irrtum! Denn die meisten Frauen unterhalten Liebesbeziehungen zu Männern. Ihr Gelingen oder Scheitern hängt davon ab, wie sich die erste Liebesbeziehung der Frau gestaltet: die zu ihrem Vater. Sie ist das Fundament, mit dem Frau selbstsicher und – bewusst ins Leben geht. Die liebevolle Zuwendung des Vaters speichert das Mädchen in jeder Zelle ihres Körpers mit der Botschaft ein, dass es vom anderen Geschlecht geliebt und bejaht ist. Fehlt der liebevolle Kontakt zwischen Vater und Tochter wird das Mädchen dies als Mangel ihrer selbst und später ihrer Weiblichkeit abspeichern. 

Das Fehlen des Vaters oder das väterliche Desinteresse wird zunächst als Mangel abgespeichert, einen Mangel an sich selbst, das mit einem Gefühl der Leere und Haltlosigkeit verbunden ist. Bei diesem Gefühl gibt es nur graduelle Unterschiede je nachdem ob der Vater körperlich gar nicht anwesend ist, er emotional und geistig nicht präsent oder desinteressiert ist. Das Mädchen verliert ihren Halt. Da das Kind in der Beantwortung seiner Liebe den Spiegel für den eigenen Selbstwert erfährt, zieht es den Rückschluss aus der nicht beantworteten Liebe, dass es nicht in Ordnung ist, dass irgendetwas mit ihr verkehrt ist. Bleibt diese Erfahrung kein einmaliges Erlebnis, sondern wiederholt sich viele Male, gewinnt das Mädchen daraus die Überzeugung, dass es so, wie es ist, mangelhaft ist. Ihre Überzeugung lautet dann sehr wahrscheinlich: So, wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung. Oder: „Ich bin nicht richtig“, „Ich genüge nicht“ oder ähnliche Varianten, die die Gefühle der Mangelhaftigkeit oder des Unwert-seins repräsentieren.  Diese Grundüberzeugungen, die sie ihr Leben lang begleiten und quälen wird, bezieht das Mädchen auf ihr Geschlecht, ihr Frausein. Sie wird keine Mühe scheuen, um diese Überzeugungen in ihrem erwachsenen Leben zu beweisen, indem sie einerseits diese verleugnet und unermüdlich gegen sie ankämpft, andererseits sich selbst und vor allem dem Mann vom Gegenteil ihrer Glaubenssätze zu überzeugen sucht. 

Die entsprechenden Überzeugungen des Unwertseins hat sie bereits tief in sich verankert, von wo aus sie ihr Selbstwertgefühl als Frau prägen und ihre Liebesbeziehungen und ihre Sexualität bestimmen. Die mangelnde Beantwortung ihrer Vaterliebe führt zu einer Vaterfixierung – und später dann zur Fixierung auf den Mann, da das Mädchen nichts unversucht lässt, um doch noch die Liebe zu gewinnen. Der Mann gerät vollkommen in ihren Fokus und sie wird somit abhängig von ihm. 

So entwickelt das Mädchen ihre Strategien, um wenn schon keine Liebe, dann wenigstens die väterliche Aufmerksamkeit zu erhalten. Diese Strategien werden so verinnerlicht, dass sie zeitlebens untrennbarer Bestandteil ihrer Persönlichkeitsstruktur werden, wie zu einer zweiten Haut. Sie sind Kompensationen, die aus der väterlichen Wunde hervor gegangen sind. Sie prägen ihr Selbstverständnis von sich als erwachsene Frau, ihre sexuelle Integrität, ihre Liebesbeziehungen und ihre Berufswahl. 

Hierbei kristallisieren sich deutlich verschiedene „Strategietypen“ heraus, die das Mädchen annimmt, um die Aufmerksamkeit und Liebe des Vaters zu bekommen. Diese Strategien wendet sie später auch auf ihre Beziehungen mit dem Mann an.  
Doch wie es so schön in der Familientherapie heißt: „Die Lösung ist das Problem“. Ihre Strategien werden ihr zur Beziehungsfalle, in die sie immer wieder hineingerät. 
Diese alten Strategien und Beziehungsmuster zu erkennen und zu befreien ist ein wesentlicher Inhalt des Frauentrainings. Damit löst sich Frau aus der Fixierung auf den Vater - Mann und wird frei, herauszufinden, was sie wirklich will. Genauso wichtig aber ist es, die innige Liebe zum Vater wiederzufinden, auch wenn das erst einmal durch den alten Schmerz der Vaterwunde führt. Die unschuldige, innige Liebe zum Vater (wieder) – zu finden macht die Liebe zum Mann erst möglich, das Fundament für eine verbindliche und erfüllende Partnerschaft. 

 

Weitere Informationen und Hintergrundwissen über die Bedeutung des Vaters, findest du in dem Buch

 

Bevaterung

 

Lies hier auch den Artikel:      Der Vater- die erste große Liebe

 

 

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