Das Wesen der Sexualität

Jede Frau sehnt sich nach Zärtlichkeit, liebevoller Berührung und einer erfüllten Sexualität. Unsere Sexualität ist unsere intimste und essentielle Fähigkeit unser Frausein zu leben und auszudrücken. Durch sie erhalten wir Aufmerksamkeit, Bestätigung und Anerkennung. Unsere Sexualität ist von daher elementar mit unserem Selbstwert und Selbstbewusstsein als Frau verbunden. Darüber hinaus ist unsere Sexualität eines der größten und genussvollsten Geschenke, die wir im Leben erfahren dürfen. Sie ermöglicht uns höchste Sinnenfreuden, tiefes Glück und Verbundenheit zu erleben. Sexualität ermöglicht uns intensive und erfüllende Orgasmen und enthält heilendes und transformierendes Potential.

Darüber hinaus kann die Sexualität eine der wonnevollsten Möglichkeiten bieten, um den im Körper verankerten spirituellen Raum in sich zu erschließen. Die spirituelle Dimension der Sexualität führt die Menschen über die üblichen sexuellen Erfahrungen von befriedigt sein, Aufmerksamkeit bekommen und Entspannung hinaus in Räume der Ekstase, der tiefen und glückseligen Verbindung mit dem Partner und dem Leben.

Wer eine glückliche und erfüllende Sexualität lebt, hat für gewöhnlich somit das Potential ein gesundes Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein zu entwickeln und darüber hinaus verschiedene Formen von Glück, Liebe, Ekstase und Verbundenheit zu erfahren.

Von der Last zur Lust

Sexualität beinhaltet die Möglichkeit den höchsten Grad an Intimität und Verbindung zwischen zwei Menschen zu schaffen. Sexualität bedeutet auch auf leichte Art unser schöpferisches und ekstatisches Potential, die Fähigkeit über uns hinaus zu gehen und gleichzeitig uns im Tiefsten zu berühren, zu entfalten. Jede Frau ist mit dieser Fähigkeit, ihr orgasmisches Potential zu erleben auf die Welt gekommen - es ist ihr natürliches Geburtsrecht. Jede Frau hat das Potential, ihre Sexualität voll und ganz befriedigend und erfüllend zu leben. Und obwohl diese essentielle Gabe jeder Frau mitgegeben ist, sind doch viele Frauen nicht in der Lage, ihr orgasmisches Erleben zu lenken. Lust, Erregung, Orgasmus ist für viele Frauen eine unberechenbare Angelegenheit, deren Höhen und Tiefen sie sich oft hilflos ausgeliefert fühlt. Manchmal stellt sie sich ein, die Lust - manchmal nicht. Manchmal kommt er, der Orgasmus - manchmal nicht. Das Leiden an der Unfähigkeit, auf das orgasmische Erleben Einfluss zu nehmen und das für sie erfüllend zu lenken, beeinflusst oftmals schon im Vorfeld die Frau in ihrem Lust-, bzw. ihrem Unlustempfinden. Es gibt so etwas wie ein Wissensvakuum, das sowohl die eigenen sexuellen Bedürfnisse und Voraussetzungen für befriedigende Sexualität angeht. Das Wissensvakuum betrifft aber auch das gemeinsame sexuelle Erleben.

Die Dominanz einer männlich geprägten Sexualität

Eines der größten Missverständnisse unter den Geschlechtern ist die Ansicht, dass Männer und Frauen gleich sind und damit auch Gleiches wollen und wünschen. Das ist vor allem ganz entschieden verbreitet in der Sexualität. Denn obwohl jeder der Tatsache zustimmt, dass Männer und Frauen einen unterschiedlichen Körper mit unterschiedlichen Genitalien haben, denken die meisten doch, das diese Tatsache nicht weiter Einfluss auf die Sexualität hätte. In der Sexualität hat eher ein Angleichungsprozess stattgefunden, Unisex ist das Modewort.

Die Art jedoch wie diese Sexualität gelebt wird ist sehr männlich geprägt, d.h. sie ist schnell und auf Genitalien und Orgasmus fixiert. Unsere Sprache macht das sehr deutlich: in der Sexualität steuern wir den Höhepunkt an, eine geradlinige, zielgerichtete Aktivität, die in einer Explosion endet.

In dieser Art Sexualität zu leben kann sich der weiblich eher rezeptive Pol nur wenig entfalten. Viele Frauen haben sich aus der Sexualität zurückgezogen, da sie sich in der gelebten männlichen Form nicht zu Hause fühlen; sie haben ihre sexuelle Identität verloren schon seit Generationen und noch nicht wieder gefunden. Viele Frauen bleiben dabei mit einem Gefühl, nicht richtig zu sein, es nicht richtig zu machen beim Sex, orgasmusunfähig zu sein, zurück. Sexualität wird dann für sie nicht mehr so wichtig; sie wird vernachlässigt und mit anderen Dingen kompensiert.

Die Qualität weiblicher Sexualität

Wenn sich Frauen von der Sexualität aus Enttäuschung oder Unvermögen zurückziehen verletzen sie sich jedoch in einem tiefen Ausmaß selbst. Sie verraten damit ihr essentielles Bedürfnis nach Nähe und Intimität und auch ihr größtes Potential ekstatische Zustände zu erleben und dadurch über sich selbst hinaus zu gehen und zu wachsen. Wir sind sexuelle Wesen, wir sind sexueller Natur. Wir sind alle aus einem sexuellen Akt entstanden. Nicht aus Liebe, sondern aus Sex sind wir gemacht. Vielleicht war auch Liebe mit im Spiel; ganz sicher aber die sexuelle Handlung. Viele Menschen vergessen dies und die erfreuliche Tatsache, dass wir alle sexueller Natur sind.

Wenn du bei dir diese Rückzugstendenzen in der Sexualität beobachtest oder du unzufrieden und unbefriedigt bleibst mit der Art wie du deine Sexualität lebst dann wende dich dir selbst mehr zu; finde heraus, was du brauchst und wie sich deine Energie am besten entfalten kann; übernimm die Verantwortung für deine Sexualität und bringe dich mit deinen Wünschen und Bedürfnissen ein.

Die weibliche Qualität in der Sexualität ist rezeptiv. Sie lässt eher geschehen als dass sie aktiv handelnd eingreift. Ihr Fokus ist auf das entspannte Fühlen und Erleben gerichtet und nicht so sehr darauf, ein Ziel zu erreichen. Will sich der weibliche rezeptive Pol entfalten, braucht Frau vor allem Zeit, Langsamkeit und das sogenannte Vorspiel, das im weiblichen Verständnis eher mit zum Hauptspiel wird. Sie braucht das Gefühl, gehalten, geborgen, angenommen und anerkannt zu sein, um sich ganz frei hingeben zu können. Wir hören oft Frauen von ihren Männern einfordern, dass diese doch erst einmal mit ihnen sprechen, bevor sie miteinander Sex haben. Das ist oft der hilflose Versuch, sich diese Zeit zu verschaffen, in der sich der weibliche Pol ganz entfalten kann. Nicht so sehr das Miteinander sprechen ist hierbei wichtig – viele wissen es nicht anders auszudrücken. Sondern die gemeinsame Zeit und die gegenseitige Annäherung.

Sonja, 36 J. nach einem Paarseminar: “Jetzt weiß ich, was mir in der Liebe mit meinem Partner immer gefehlt hat. Ich liebe meinen Mann und ich mag auch den Sex mit ihm, aber es ging mir immer zu schnell zur Sache. Ich habe immer versucht meinen Partner zum Gespräch vorher zu animieren, worüber er selten begeistert war. Jetzt weiß ich, dass es um dieses sinnliche Miteinander geht, in dem ich mich langsam öffnen kann, egal was für einen Stress ich vorher noch hatte. Und das kann auch mein Partner genießen.“

Je stärker du dich in diesen weichen rezeptiven Pol hinein begibst und dich fallen lässt, um so mehr wird auch dein männlicher Pol, d.h. deine Lust an der Sexualität gestärkt.

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